Herstellung von Bürsten, Besen und Rechen

Aus Eurevita Handwerksakademie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Beruf des Bürsten-, Besen und Rechenmachers ist ein Oberbegriff für mehrere traditionelle Handwerksberufe, die im Rahmen der EUREVITA-Ausbildung gelehrt werden. Die Ausbildung umfasst die Manufaktur von Bürsten, Pinseln, Besen, Rechen und weiteren traditionellen Haushaltsgeräten. Auf den folgenden Seiten sind weiterführende Informationen zu ausgewählten Produkten, die im Rahmen der Ausbildung hergestellt werden, ersichtlich.


Ökonomie[Bearbeiten]

Die Erzeugung von Bürsten und Pinseln ist in Österreich ein freies Gewerbe. Im Jahr 2018 waren in Österreich 17 gewerbliche Bürsten- und Pinselmacher als Mitglieder bei der österreichischen Wirtschaftskammer gelistet. Fünf davon sind in Niederösterreich tätig, jeweils drei in Kärnten, Oberösterreich und Tirol. Im Burgenland, der Steiermark und in Vorarlberg gibt es jeweils einen Bürsten- und Pinselmacher. In Salzburg und Wien sind keine gewerblichen Bürsten- und Pinselmacher gelistet.

In Slowenien gab es 2018 zehn hauptgewerbliche Besen- und Bürstenhersteller. Die Erzeugung von Bürsten und Pinseln ist in Slowenien ebenfalls ein freies Gewerbe.

Diese Zahlen belegen den Mangel an Fachkräften und die Notwendigkeit nach zusätzlichen Ausbildungsangeboten. Durch den vorhandenen Fachkräftemangel geht nicht nur wirtschaftliches Potential verloren, sondern auch wertvolles Know-How.

Anzahl der Berufszweigmitglieder in Österreich[Bearbeiten]

Jahresstatistik 2018[Bearbeiten]

Sparte: Gewerbe und Handwerk Fachgruppe: 108 – Tischler und Holzgestalter

Stand 31.12.2018

B K S St T V W Ö
0215-Bürsten- und Pinselmacher 1 3 5 3 0 1 3 1 0 17

Quelle: Wirtschaftskammer Österreich

Anzahl der Berufszweigmitglieder in Slowenien[Bearbeiten]

C32.910 Herstellung von Besen und Bürsten

Jahresstatistik 2017[Bearbeiten]

Stand 31.10.2017 Hauptgewerbe 10 Quelle: Statistični urad Republike Slovenije

Gesellschaft und Kultur[Bearbeiten]

Die Einsatzgebiete von Bürsten, Pinseln, Besen und Rechen sind vielseitig. Die Erzeugnisse werden im Privathaushalt, in Industrie und Gewerbe sowie in der Landwirtschaft benötigt. Für Spezialanfertigungen wie etwa technische Bürsten für Produktionsmaschinen werden Bürsten- und Besenmacher hoch geschätzt. Deren Erzeugnisse werden darüber hinaus zur Reinigung, in der Kosmetik, in Malereibetrieben oder für industrielle Anlagen benötigt, um nur einige Anwendungsbereiche zu nennen. Durch die zunehmende Industrialisierung und Globalisierung sind handgefertigte Bürsten, Pinseln, Besen und Rechen zur Rarität geworden und wurden weitestgehend durch kostengünstige Massenware ersetzt. Das hat zur Folge, dass regionale Handwerksbetriebe vom Markt verdrängt wurden. Insbesondere für Sonderanfertigungen und für die Manufaktur von Qualitätsware ist die Weitergabe von Know-How in diesem Bereich unabdingbar.

Ökologie und Umwelt[Bearbeiten]

Über Jahrhunderte hinweg wurden Bürsten, Besen und Rechen aus natürlichen Rohstoffen gefertigt. Mit Beginn des Erdölzeitalters sind die Erzeugnisse aus Naturmaterialien den industriellen Produkten aus Kunststoffen gewichen. Heute haben die meisten Bürsten und Besen Plastikborsten, die über die Nutzungsdauer durch UV-Strahlung und Beanspruchung porös werden und abbrechen. Durch diese Abnutzung entsteht Mikroplastik und es droht der Eintrag in Luft, Boden und Grundwasser. Traditionelle Bürsten, Besen und Rechen bestehen zu 100% aus Naturmaterialien und verursachen somit weder bei der Produktion, noch in der Gebrauchsphase Mikroplastik. Als Besatzmaterial der traditionellen Bürsten und Besen eignen sich sowohl tierische Federn, Haare und Borsten als auch pflanzliche Naturborsten wie Arenga, Fibre, Kokos, Piassava, Reisstroh, Reiswurzel Sisal und Sorghum.

Bürstenbinderei[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Die ältesten Bürsten bestehen aus Faserbündeln, die zu einer Bürste gebunden wurden. Die Verwendung von bürstenartigen Gegenständen lässt sich bis in die Steinzeit zurückverfolgen. Frühe Malpinsel hatten eine Fassung aus Tierknochen, wie sie in der Höhle von Altamira gefunden wurden. Seit 1400 ist das Bürstenmachen oder Bürstenbinden als eigener Handwerksberuf belegt. Die erste Bürstenmacherzunft entstand 1550 in Nürnberg. Eine Bürstenbinderordnung regelte, wie man es in diesem Gebiet zum Meister bringen konnte. 1698 beschreibt Christoph Weigel der Ältere in seinem Ständebuch folgende Bürstenarten: Gewand- oder Kleiderbürste, Reibebürste, Kopfbürste, Schuhbürste, Kratzbürste und die Fußbodenbürste. Heute ist der Beruf des Bürsten- und Pinselmachers ein freies Gewerbe.

Herstellung und Materialien[Bearbeiten]

Die Herstellung von Bürsten variiert stark nach ihrer Verwendung. Die Einsatzgebiete von Bürsten sind vielseitig und reichen von Körperpflegebürsten wie Haar- und Nagelbürsten über Küchenbürsten bis hin zu Reinigungsbürsten. Für die Herstellung von Bürsten gibt es somit auch verschiedene Grundkonstruktionen. Die Konstruktionselemente bestehen immer aus einem Grundkörper, dem Bürstenbesatz und deren Verbindung. Darüber hinaus können Bürsten nach ihrer Bauform klassifiziert werden. Man unterscheidet gebundene Bürsten, gestanzte oder gestopfte Bürsten, gedrehte Bürsten, Streifenbürsten und viele mehr. Als Besatzmaterial werden in der traditionellen Herstellung Naturmaterialien wie tierische Federn, Haare und Borsten eingesetzt. Als pflanzliche Naturborsten eignen sich Arenga, Fibre, Kokos, Piassava, Reisstroh, Reiswurzel Sisal und Sorghum.

Besenbinderei[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Besenbindergewerbe entwickelte sich ursprünglich aus einer saisonalen Nebentätigkeit im bäuerlichen Alltag. In den Städten gingen nur sehr wenige diesem Handwerk nach. Die fertigen Erzeugnisse wurden in der eigenen Werkstatt, auf Märkten oder im Hausierhandel verkauft. Die Besenbinderei war ein typisches Handwerk armer Leute, weil die Rohstoffbeschaffung kostengünstig war und mit einfachem Werkzeug ausgeübt werden konnte. So wurde das Besenbinden nie zu einem Lehrberuf und es gab auch keine eigene Zunft. In Ermangelung einer eigenen Zunft schlossen sich die Besenbinder häufig anderen Zünften an. Heute ist das Besenbindergewerbe weitestgehend der industriellen Produktion gewichen. Unter anderem aus Traditionspflege und Liebhaberei wird das traditionelle Handwerk heute aber noch betrieben Die Erzeugnisse werden aufgrund der Qualitätsunterschiede im Vergleich zu industriell gefertigten Besen auch heute noch hoch geschätzt (vgl. Sallmann 2019).

Herstellung und Materialien[Bearbeiten]

Ein Besen besteht aus drei Konstruktionselementen: dem Stiel, dem Besenkörper und deren Verbindung. Für die Anfertigung des Besenkörpers aus Naturmaterialien wird meist Birkenreisig – für Ruten- oder Reisigbesen, Ginster – für Ginsterbesen oder Hartstroh – für Strohbesen verwendet. Der Besenstiel wird aus Stangenholz der Fichte, Weide oder Haselnuss gewonnen. Für die Verbindung von Besenstiel und Besenkörper wird aufgrund der Praktikabilität Weidezaundraht verwendet. Als es noch keinen billigen Draht gab wurde mit Weiden- oder Haselruten gebunden. Für die Herstellung eines Besens wird der Besenbesatz zusammengepresst und mit einem Draht zusammengebunden. Zum Schluss wird der Besenkopf auf den Besenstiel geschlagen.

Rechenmacherei[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Handwerk des Rechenmachens wurde früher meist von Bauern ausgeübt, die die Zeit in Wintermonaten oder Schlechtwetterperioden nutzten, um sich ein Einkommen zu sichern. Die Jahresleistung pro Person und Winter lag früher bei rund 1.000 Rechen. Diese wurden entweder einem Zwischenhändler oder direkt auf den Märkten verkauft und brachten den Bauern ein oft lebensnotwendiges Zusatzeinkommen ein. Um 1900 war das Handwerk in ländlichen Gebieten noch weit verbreitet. Durch den zunehmenden technischen Fortschritt wurden die Arbeitsschritte durch Maschinen ergänzt und teilweise gänzlich ersetzt. Im Laufe des 20. Jahrhundert verschwand das Handwerk des Rechenmachens fast gänzlich (vgl. Hugger 1968, S. 4).

Herstellung und Materialien[Bearbeiten]

Rechenholz muss 3-4 Jahre gelagert werden, damit es Regen und Sonne gleichermaßen erträgt, ohne sich zu verziehen oder rissig zu werden. Mit besonderer Sorgfalt wird Lindenholz für den Stiel ausgelesen. Hierfür kommt nur astfreies Material in Frage, die sogenannte Schmallinde. Für die übrigen Teile des Rechens verwendet man Buchen- und Eschenholz. Man beginnt mit dem Zusägen und Hobeln des Rechenstiels: Das Lindenbrett wird in ca. 3 cm breite Latten zersägt und mit dem Hobel abgerundet. Anschließend wird das Rechenhaupt aus Buchen- oder Eschenholz zugeschnitten und je nach Rechengröße mit 18-24 Löchern versehen. Die Rechenzähne werden angefeuchtet, in die Löcher des Rechenhauptes eingeschlagen und zugespitzt. Zum Schluss werden weitere Löcher für die Verankerungsdrähte und den Stiel gebohrt. Der Stiel wird in das Rechenhaupt geschlagen und die Drähte werden festgezogen (vgl. Hugger 1968, S. 4ff).

EUREVITA Ausbildungsinhalte[Bearbeiten]

Ausbildungstitel: Bürsten-, Besen- und Rechenmacher Dauer und Zeitraum: 120 Einheiten, Beginn voraussichtlich Mitte Oktober 2020 Ort: Österreichisches Freilichtmuseum Stübing Empfohlene Vorkenntnisse: Keine Anmeldung und weiterführende Informationen: www.eurevita.eu eurevita@bfi-burgenland.at

Abschluss: Zertifikat des Berufsförderungsinstitut Burgenlands zum/zur Bürsten-, Besen- und RechenmacherIn

Die Ausbildung umfasst drei Module:

  1. die Herstellung von Bürsten und Pinseln
  2. die Herstellung von Besen
  3. die Herstellung von Rechen

Ein Bürsten-, Besen- und Rechenmacher fertigt alle Arten von Bürsten, Pinseln, Besen und Rechen an, die im Haushalt oder gewerblichen Betrieben benötigt werden. Die Wahl der Materialien und der richtige Umgang mit dem Handwerkzeug sind dabei essentiell. Bürsten-, Besen- und Rechenmacher sind hauptsächlich in der Erstellung und Vermarktung von Bürsten, Pinseln, Besen und Rechen tätig. Auch Spezialanfertigungen wie zum Beispiel Bürsten für Produktionsmaschinen sind möglich. Bürsten-, Besen- und Rechenmacher sind in Werkstätten der Handwerksbetriebe bzw. in den Produktionshallen von Industriebetrieben tätig.

Das wertvolle Wissen unserer Vorfahren zu erhalten und weiterzugeben, steht dabei im Zentrum der Ausbildung. Wie früher wird ausschließlich auf regionale Rohstoffe aus der Natur zurückgegriffen.

Folgende Inhalte werden behandelt:

  1. Vorteile und Verwendung von traditionellen Bürsten, Besen und Rechen
  2. Rohstoffkunde
  3. Praktische Anleitungen zur Herstellung von Bürsten, Pinseln, Besen und Rechen
  4. Umgang mit Arbeitsmitteln und Handwerkzeug
  5. Rechtliche Grundlagen und Gewerbeordnung
  6. Marketing und Vertrieb

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • Hugger, P. (1968): Der Rechenmacher. Sterbendes Handwerk II. Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde, Sammelband Heft 11 – 20, Heft 20.
  • Sallmann, S. (2019): Die Besenbinder. In: Onlineressource Berufe dieser Welt. Online verfügbar unter https://berufe-dieser-welt.de/besenbinder/, zuletzt geprüft am 22.2.2019.