Herstellung von Wellnessprodukten

Aus Eurevita Handwerksakademie
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Der Beruf des traditionellen Wellnessproduktehersteller ist ein Oberbegriff für mehrere traditionelle Handwerksberufe, die im Rahmen der EUREVITA-Ausbildung gelehrt werden. Die Herstellung traditioneller Wellnessprodukte umfasst die Manufaktur von Bienenprodukten, Salben, Seifen, Ölen und Kräuterprodukten wie etwa Tees. Im Rahmen dieser Ausbildung werden daher sowohl naturkosmetische als auch naturheilkundliche Inhalte vermittelt. Auf den folgenden Seiten sind weiterführende Informationen zu ausgewählten Produkten, die im Rahmen der Ausbildung hergestellt werden, ersichtlich.

Ökonomie[Bearbeiten]

Die Herstellung von traditionellen Wellnessprodukten ist in Österreich und Slowenien ein freies Gewerbe. Der Beruf des traditionellen Wellnessprodukte-Herstellers ist eine Kombination aus mehreren traditionellen Handwerksberufen. Da es sich also um einen Oberbegriff handelt, gibt es für Österreich und Slowenien keine Statistiken zu diesem Beruf. Es gibt für alle Berufsgruppen einzelne Personen, die das Handwerk ausüben, jedoch kein zusammenfassendes Datenmaterial.

Gesellschaft und Kultur[Bearbeiten]

Seit Jahrtausenden werden Naturstoffe in der Schönheitspflege und natürliche Heilmittel eingesetzt. Vor der Einführung von öffentlichen Apotheken waren die Menschen auf Heilmittel aus der Natur angewiesen. Aus diesem Grund war die Verbundenheit mit der Natur und ihren Wirkstoffen viel stärker als heute. Auch Körperpflegeprodukte und Wellnessprodukte wurden ausschließlich aus natürlichen Materialien hergestellt. In der modernen Kosmetik hat die Kraft der Natur einen hohen Stellenwert. Der Trend nach nachhaltigen, regional hergestellten Kosmetika ist unübersehbar. Auch natürliche Heilmittel rücken wieder verstärkt ins Blickfeld der Konsumenten. Der Verzicht auf gefährliche Substanzen wirkt sich nicht nur positiv auf Umwelt und Natur, sondern auch auf die Gesundheit und Hautverträglichkeit aus. Aufgrund der natürlichen Inhaltsstoffe eignen sich traditionelle Wellnessprodukte sowohl für alle Hauttypen, als auch für empfindliche Baby- und Kinderhaut.

Ökologie und Umwelt[Bearbeiten]

Bei der Herstellung traditioneller Wellnessprodukte wird ausschließlich auf Naturprodukte zurückgegriffen. Traditionelle Wellnessprodukte sind daher besonders haut- und umweltfreundlich. Chemische Zusatzstoffe wie synthetische Farbstoffe, Silikone, Paraffine und Konservierungsstoffe werden zur Gänze vermieden. Im Gegensatz zu konventioneller Kosmetik ist Naturkosmetik frei von Erdöl, Palmöl und Mikroplastik. Tier- und Artenschutz ist bei der Herstellung traditioneller Wellnessprodukte von höchster Relevanz. Nicht nur für Menschen mit veganem Lebensstil sind pflanzliche Naturprodukte die optimale Alternative zu konventionellen Kosmetik- und Pflegeartikeln. Sowohl bei der Herstellung von Körperpflegemitteln und Wellnessprodukten, als auch in Sachen Naturheilkunde können wir noch sehr viel von unseren Vorfahren lernen.

Bienenprodukte - die Kraft der Biene[Bearbeiten]

Die Verwendung von Bienenprodukten in der Medizin hat eine uralte Tradition und lässt sich bis in das antike Griechenland und in das Reich der Pharaonen zurückverfolgen. Wegbereiter der modernen Medizin wie Hippokrates und Paracelsus verwendeten Honig, Wachs und weitere Bienenerzeugnisse für ihre Heilmixturen. Bienenprodukte wie Honig, Propolis, Wachs, Blütenpollen und Gelée royale werden aufgrund ihrer heilenden Wirkung hoch geschätzt und finden in diversen Heiligen Schriften wie der Bibel, dem Koran und dem Talmud ihren Niederschlag (vgl. Österreichische Gesellschaft für Apitherapie 2017, S. 17). Die Anwendungsgebiete von Bienenprodukten sind vielseitig. Die Erzeugnisse aus dem Bienenvolk werden in Nahrung, Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetika und Medikamenten eingesetzt. In Österreich gelten Honig und Wachs rechtlich als Lebensmittel. Blütenpollen, Propolis und Gelée royale hingegen werden den Nahrungsergänzungsmitteln zugeordnet. Der medizinisch-therapeutische Einsatz von Bienenprodukten wird Apitherapie genannt. Diese bedarf jedoch ärztlicher Aufsicht.

Kräuterprodukte[Bearbeiten]

Seit Jahrtausenden werden Kräuter in der Küche sowie für Kosmetik, Gesundheit und Wohlbefinden verwendet. Garten- und Wildkräuter sind wahre Schätze aus der Natur. Viele Heil- und Genusskräuter wachsen direkt vor unserer Haustüre. Diese Kraft der Kräuter nutzt dem Menschen in vielerlei Hinsicht. Die steigende Nachfrage nach Naturprodukten, die sich auf Ursprünglichkeit zurückbesinnen, ist unübersehbar. Ziel ist es, das wertvolle Kräuterwissen unserer Vorfahren aufzugreifen, weiterzugeben und mit modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu kombinieren. Dem traditionellen Handwerk der Kräuterverarbeitung wird so neues Leben eingehaucht. Im Rahmen dieser Ausbildung werden das richtige Erkennen und Sammeln der Kräuter sowie deren Verarbeitung und ihre vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten behandelt. Aus Kräutern lässt sich eine Vielzahl an Produkten herstellen. Von Düften und Duftkissen über Kräuteröle und Tinkturen bis hin zu Sirupe und Gelees sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Ölherstellung[Bearbeiten]

Im Rahmen der Ausbildung zum traditionellen Wellnessproduktehersteller werden die Grundlagen der Ölherstellung vermittelt. Es werden ätherische und fette Öle fabriziert. Darüber werden die Grundkenntnisse des Pechöl-Brennens weitergegeben.

Pechöl - ein natürliches Heilmittel für Mensch und Tier

Pechöl war als Naturheilmittel weit verbreitet und wurde sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin eingesetzt. 2013 wurde das Pechölbrennen im östlichen Mühlviertel in das UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. In der Humanmedizin reicht das Anwendungsgebiet von eitrigen und entzündeten Wunden, Sehnenverletzungen und Gelenksentzündungen über Fersensporn bis hin zur Behandlung von Rheuma, Asthma und Ischias. Bei Tieren wird es aufgrund der desinfizierenden Wirkung bei Hufverletzungen, Quetschungen und Nabelgeschwüren sowie bei Maul- und Klauenseuche eingesetzt. Pechöl hat positive, gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen. Die medizinische Anwendung von Pechöl darf jedoch nur unter medizinischer Aufsicht erfolgen.

Salbenherstellung[Bearbeiten]

Seit jeher nutzen die Menschen die Kraft der Natur als Heilmittel. So wurden aus pflanzlichen und tierischen Ingredienzien gesundheitsfördernde Salben hergestellt. Jede Salbe besteht aus Basiszutaten und den Salbenzusätzen. Als Salbengrundlagen eignen sich Öle, Schmalze sowie Talge. All diese Basiszutaten können sowohl pflanzlichen als auch tierischen Ursprungs sein. Als weitere Grundsubstanzen sind Wachse, seifenhaltige Salben sowie Öl-in-Wasser-Emulsionen möglich (vgl. Czetsch-Lindenwald & La Baume 2013 S. 7). Den Basiszutaten werden bestimmte Wirk- und Duftstoffe als Salbenzusätze beigemengt. Als Salbenzusätze eignen sich ätherische Öle, welche gleichzeitig einen konservierenden Effekt aufweisen. Kräutertinkturen können ebenfalls verarbeitet werden. Um die Wirkstoffe von Kräutern auf eine Salbe zu übertragen, werden Kräuter in die Salbe eingearbeitet. So kann diese für Heilzwecke eingesetzt werden.

Seifensieden[Bearbeiten]

Die Geschichte der Seifenherstellung reicht bis 2500 v.Chr. zurück. Schon damals wurden tierische Fette und pflanzliche Öle mit Pottasche vermengt und verkocht. Seifen wurden in der Antike eher zur kosmetischen und heilenden als zur reinigenden Körperpflege benutzt. Als Medium wurden u. a. Scheuersand, Rindergalle, Seifenkraut, Kastanien- und Bohnenmehl, Kleie und Sauerteig verwendet. Durch die Überlieferungen der Araber setzte sich im Mittelalter am mediterranen Saum Europas die Fabrikation konsistenter Seifen durch. Herstellungsprozesse wurden optimiert und Rezepturen wurden erweitert. Die systematische Erforschung und Anwendung chemisch-technischer Prozesse im 19. Jh. führte zur industriellen Erzeugung der Seife (vgl. Bondt 2011). Das Seifensieden ist eine kleine Kunst und ein uraltes Handwerk. Die handwerkliche Herstellung von Naturseifen bietet eine nachhaltige Alternative zu industriell gefertigten Seifen. Für das Seifensieden eignen sich sowohl tierische als auch pflanzliche Fette und Öle. Der Kreativität und den verwendeten Zutaten sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Jede manuell gefertigte Seife ist ein wahres Unikat.

EUREVITA Ausbildungsinhalte[Bearbeiten]

Ausbildungstitel: Herstellung traditioneller Wellnessprodukte

Dauer und Zeitraum: 240 Einheiten, Beginn voraussichtlich 1. Block Mai 2020, 2. Block September 2020, 3. Block November 2020

Ort: Österreichisches Freilichtmuseum Stübing

Empfohlene Vorkenntnisse: Keine

Anmeldung und weiterführende Informationen: www.eurevita.eu | eurevita@bfi-burgenland.at

Abschluss: Zertifikat des Berufsförderungsinstitut Burgenlands zum/zur traditionellen Wellnessprodukte-HerstellerIn

Die Ausbildung umfasst fünf Module:

  1. Bienenprodukte
  2. Kräuterprodukte
  3. Ölherstellung
  4. Salbenherstellung
  5. Seifensieden

Der Beruf des traditionellen Wellnessprodukte-Herstellers umfasst sowohl die Herstellung von natürlichen Körperpflegemitteln wie etwa Reinigungsmitteln, Ölen und Lotionen als auch die Vermittlung von naturheilkundlichen Inhalten. Im Rahmen der Ausbildung werden unter anderem Salben, Seifen, Pechöl, ätherische Öle wie etwa Rosenöl sowie diverse Bienenprodukte individuell von Hand gefertigt. Aus regionalen Blüten und Kräutern werden Tees hergestellt. Das wertvolle Wissen unserer Vorfahren zu erhalten und weiterzugeben, steht dabei im Zentrum der Ausbildung. Es wird ausschließlich auf regionale Rohstoffe aus der Natur zurückgegriffen.

Folgende Inhalte werden behandelt:

  1. Vorteile der Herstellung von traditionellen Wellnessprodukten
  2. Rohstoffkunde und Inhaltsstoffe
  3. Praktische Anleitungen zur Herstellung diverser Wellnessprodukte
  4. Konservierung der Produkte
  5. Rechtliche Grundlagen und Gewerbeordnung
  6. Marketing und Vertrieb

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

  • R. Bondt, Seifensieder (2011). In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). Online verfügbar unter
  • Czetsch-Lindenwald, H.; La Baume, F. S. (2013). Salben· Puder· Externa: Die äußeren Heilmittel der Medizin. Springer-Verlag.