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Holzschindelherstellung und -verlegung

Hintergrund und Bedeutung der Ausbildung

Bereits seit der Antike werden Holzschindeln als Baumaterial eingesetzt. Auch in der modernen Architektur spielt die Verarbeitung von Holzschindeln eine wichtige Rolle. Der Trend nach regionalen, nachhaltigen Baustoffen hat zu einem Boom im Holzbau und zu einer Renaissance der Holzschindeln geführt. Holzschindeln sind somit zu einer modernen und nachhaltigen Alternative zu anderen Dachdeckungen geworden. Als natürlicher Baustoff verbinden sie Funktion und Ästhetik gleichermaßen und wurden somit von Architekten wiederentdeckt. Holzschindeln werden in der Dacheindeckung, Fassadenverkleidung und im Innenausbau eingesetzt. Als natürliche Ressource sind sie baubiologisch einwandfrei und vereinen Tradition und Qualität. Die biologische Dacheindeckung ist wärmedämmend, atmungsaktiv, witterungsbeständig. Sowohl bei der manuellen Herstellung von Schindeln aus regionalen Hölzern, als auch in deren Deckung können wir noch sehr viel von älteren Generationen lernen.

Geschichte

Das Dach eines Hauses erfüllt eine wesentliche Schutzfunktion und war seit jeher in hohem Maße von den klimatischen Gegebenheiten und dem vorhandenen Baumaterial abhängig. So wurde in Getreideanbaugebieten zunächst mit Stroh gedeckt. Mit der Entwicklung von maschinellen Dreschmöglichkeiten, bei denen das Stroh gequetscht und beschädigt wird, war es zur Dachdeckung nicht mehr geeignet und das Holz wurde Nachfolger . „Geklobenes Holz in Form von Schindeln oder geklobenen Brettern ist die ältere und dauerhaftere Form des Holzdaches.“ (Pöttler 1985 S. 232.) In waldreichen Gegenden war Holz seit jeher der Baustoff, der durch leichte Bearbeitbarkeit auch mit einfachen Geräten verwendet werden konnte. Mit der kontinuierlichen Verbesserung der Konstruktionsteile hat auch die Holzbedachung immer weitere Ausbreitung und Qualität entwickelt. Bereits in der Antike wurden Holzschindeln verwendet. In den Hafenstädten Konrinth und Athen wurde außer mit fertigen Konstruktionsteilen wie Balken, Dielen und Dachhölzern auch mit Schindeln gehandelt (vgl. Carstensen 1992, S. 12). Plinius erwähnt die Schindel bei der Beschreibung einer Dachdeckung und auch in der Bibelübersetzung des Wulfila findet sich ein Beleg eines Schindeldaches (vgl. Phleps 1942, S. 95). Am Limes erlernten die Germanen die römische Bauweise, man fand Schindeln aus Eichenholz und auch römische Werkzeuge. Das Schindelmesser zum Spalten des Holzes sieht beispielsweise heute noch sehr ähnlich aus (vgl. Carstensen 1992, S. 14f).

Herstellung und Materialien

Bei der Auswahl des Holzes zur Herstellung von Schindeln sind die Spaltbarkeit und Haltbarkeit wesentliche Kriterien. Fichte, Kiefer, Lärche und Tanne stehen neben Buche, Eiche, Erle und Esche zur Verfügung. Die Nadelbaumhölzer lassen sich leichter spalten. Die beste Qualität liefert hier die Lärche (Haltbarkeit 70 – 80 Jahre). Bei den Laubbaumhölzern ist die Eiche mit der längsten Haltbarkeit (bis zu 100 Jahre) zu nennen. Das tatsächlich verwendete Holz hängt aber vom regionalen Vorkommen ab. Damit die Schindel möglichst widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse wird, muss sie möglichst wasserabweisend sein, dafür sollen die Fasern unverletzt ihre Gestalt behalten. Das erreicht man durch das Spalten. Sägt man Schindeln, werden die Fasern zerstört und wirken wasseranziehend. Um die Haltbarkeit weiter zu fördern, wurden sie manchmal auch geräuchert (vgl. Phleps 1942, S. 95.). Auch der Rauch des Herdfeuers machte früher das Holz wesentlich haltbarer und auch feuerfester. Dieser Vorgang wurde durch das Fehlen der Schornsteine selbstständig hervorgerufen. Der Rauch musste durch die Fugen und Ritzen der Dachdeckung abziehen und brachte dadurch die Unterseite der Schindeln dauernd mit ihm in Berührung (vgl. Carstensen 1992, S. 13). Die wesentlichen Werkzeuge zur Herstellung der Schindeln sind Hacke, Schindelmesser, Holzschlägel und Reifmesser. Heute gibt es bereits mechanische Spaltgeräte, die Arbeitserleichterung bieten. Ausgangspunkt der Herstellung ist aber der richtige Baum, aus dem die Schindeln zu fertigen sind. Die Bauern finden diese durch ihre Erfahrungswerte. So gibt es zum Beispiel einen Unterschied zwischen Lärche und Schindellärche. Spaltmethoden sind regional etwas unterschiedlich, es gibt das Spalten nach dem Scheit (radial) oder das Spalten nach dem Span (tangential). Nur durch diese Methoden ist es möglich, den Stamm ohne Verletzung der Zellwände zu teilen (vgl. Ast 1981, S.14ff). Man unterscheidet folgende Schindelarten: Bretter, Span, Schiefer und Schar.

Ausbildungsinhalte

Der Beruf des Holzschindelmachers und Holzschindeldeckers umfasst sowohl die manuelle Herstellung von Holzschindeln als auch das richtige Verlegen der Schindeln. Die Dacheindeckung mit Holzschindeln ist sehr komplex. Verschiedene Deckungsarten werden in dieser Ausbildung behandelt. Die Holzschindeln als Ausgangsmaterial werden dabei aus regionalen Hölzern von Hand gefertigt. Die Wahl der Materialien und der richtige Umgang mit dem Handwerkzeug sind dabei essentiell. Holzschindelmacher und Dachdecker sind sowohl bei der Deckung von Neubauten als auch bei der Restauration historischer Gebäude tätig. Das wertvolle Wissen unserer Vorfahren zu erhalten und weiterzugeben, steht dabei im Zentrum der Ausbildung. Es wird ausschließlich auf regionale Rohstoffe aus der Natur zurückgegriffen.

Folgende Inhalte werden behandelt:

  • Vorteile und Verwendung von Holzschindeln
  • Rohstoffkunde
  • Umgang mit Arbeitsmitteln und Handwerkzeug
  • Spalttechnik und Verarbeitung von Holzschindeln
  • Decktechniken und Dachkonstruktionen
  • Rechtliche Grundlagen und Gewerbeordnung
  • Marketing und Vertrieb